Römische Begegnungen

 

Norisch-pannonische Hügelgräber

Die vorherrschende Bestattungsform in den Provinzen Noricum und Pannonien während der Älteren Römischen Kaiserzeit (Mitte des 1. bis Anfang des 3. Jahrhunderts), war die Brandbestattung unter Grabhügeln. Die Toten wurden mit Kleidung und Schmuck, Speise- und Trankbeigaben in Gefäßen auf dem Scheiterhaufen verbrannt und dann beigesetzt. Über dem Grab wurde ein großer Erdhügel aufgeschüttet.
















Im südlichen Burgenland haben sich über 900 römische Grabhügel erhalten. Große Hügelgräberfelder gibt es in Königsdorf (102 Hügel), Schandorf (86 Hügel) und in Rax (72 Hügel). Zahlreiche kleinere Hügelgruppen und Einzelhügel finden sich in Wäldern und auf Anhöhen entlang der römischen Wege.

Aus Unverständnis sind früher sehr viele Hügel eingeebnet oder von Schatzgräbern meist erfolglos angegraben worden. Steine aus den römischen Grabhügeln wurden für Bauzwecke entnommen oder auch zu Kalk gebrannt. Heute stehen diese Hügel als wichtige Zeugnisse der Vergangenheit unter strengem Denkmalschutz.

Die Einbauten in den norisch-pannonischen Hügeln sind sehr vielfältig. Es gibt einfache Brandschüttungs- und Urnengräber ohne Steinschutz, runde Steinsetzungen und Steinpackungen aus Rollsteinen, bienenkorbförmige Steinhügel, runde und rechteckige Steinkammern, Steinkisten aus Steinplatten, aber auch aufwendig gebaute Grabkammern mit Freskenschmuck.

Bei einigen Grabhügeln wurden, wie in Rax, auch Grabsteine gefunden.

In der näheren Umgebung von St.Martin an der Raab und Minihof-Liebau können die Grabhügel im Wald zwischen Gritsch und Doiber, der schöne Einzelhügel an der Straße von St.Martin nach Oberdrosen und das beschilderte Hügelgräberfeld von Rax bei Jennersdorf besichtigt werden



Römische Grabfunde aus St.Martin an der Raab

Auf den Eisenberger Kegeläckern („Kegel“, „Kogel“ = „keiner runder Erdhügel“), nördlich der Straße bei der Schule und dem Perschykreuz, befanden sich früher römische Hügelgräber.

1964 fand dort der Grundeigentümer Franz Csenar den 83 cm großen Torso einer Figur aus weißem Marmor. Die Statue, der Kopf und Beine fehlen, stellt Ikarus, den Sohn des Dädalus dar, der, der Sage nach, bei der Flucht aus Kreta mit den aus Wachs gefertigten Flügeln der Sonne zu nahe kam und ins Meer stürzte. Ikarusdarstellungen wurden in hellenistischer und römischer Zeit manchmal an Grabbauten für Ertrunkene angebracht.

1981 kam am Acker des Franz Lauda der Fundamentblock für einen Grabstein zutage. Der 130 cm lange, 80 cm breite und 50 cm hohe Stein aus Basalt-Tuff, der jetzt vor dem Eingang zur Ausstellung steht, hat eine 22 x 66 cm große Vertiefung, in die ursprünglich der Grabstein eingezapft war. Der Grabstein selbst wurde leider nicht gefunden. Bei der vom Burgenländischen Landesmuseum an der Fundstelle durchgeführten archäologischen Ausgrabung konnte das Brandgrab einer Frau festgestellt und untersucht werden. Gefunden wurden der Leichenbrand, eine Münze, zwei Fibeln und die Bronzebeschläge eines Ledergürtels. Alle Fundgegenstände, auch die mitgegebenen Keramikgefäße sind durch die große Hitze des Scheiterhaufens sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und daher nur fragmentarisch erhalten. Trotzdem ist die Datierung des Grabes in die erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts anhand der Fibeln und der Münze, einem As des Kaisers Traian, geprägt 106 bis 111 in Rom, möglich.

Östlich der bisher untersuchten Stelle sind noch mehrere flache Bodenerhebungen, vermutlich durch Ackerung fast eingeebnete römische Grabhügel, zu erkennen.



Römische Grabhügel

In der älteren Römischen Kaiserzeit, im 1. und 2.Jahrhundert nach Chr., war in Noricum und Pannonien Brandbestattung üblich. Die Asche der Toten wurde in einer Urne in einer Steinkammer niedergelegt. Darüber wurde dann ein großer Erdhügel als bleibendes Erinnerungsdenkmal für den Toten aufgeschüttet.

Diese Hügelgräber lagen oft einzeln oder in Gruppen in der Nähe der Siedlungen an Straßen und Wegen.

Die Grabhügel stehen unter Denkmalschutz.



Ausstellung „Die Römer in St.Martin an der Raab“

Eröffnung des Römermuseums am 20.September 1998




Die Marktgemeinde St.Martin an der Raab mit den Ortsteilen Dober, Gritsch, Welten, St.Martin, Neumarkt a.d.Raab und Oberdrosen, hat in der burgenländischen Römerforschung einen besonderen Stellenwert.

Römerfunde sind im südlichen Burgenland – in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf, sehr zahlreich: in den Waldungen fast jeder Ortschaft finden sich römische Hügelgräber. Rund 1000 solcher Grabhügel - norisch-pannonische Hügelgräber des 1.-3.Jahrhunderts - sind bekannt. Die einheimische Bevölkerung hat ihre Toten damals nach Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, zusammen mit dem mitverbrannten Schmuck und Beigaben bestattet und dann über dem Grab einen großen Erdhügel als bleibendes Erinnerungsdenkmal für den Toten errichtet. Die Hügel hatten vielfältige Einbauten – vom einfachen Steinschutz über der Urne bis zu aufwendig gebauten und mit Fresken geschmückten, gemauerten Grabkammern. Die Hügel finden sich heute einzeln, in Gruppen oder in großen Hügelgräberfeldern – wie zum Beispiel 74 Hügel in Rax und über 100 Hügel bei Königsdorf – in der Nähe der ehemaligen Siedlungen, oft an alten Wegen und Straßen.

Durch die seit über 100 Jahren erfolgten Forschungen und Ausgrabungen wissen wir heute schon sehr viel über die Bestattungsbräuche, die Grabformen und die Tracht der Verstorbenen. Aus den Grabbeigaben lassen sich Rückschlüsse auf das Leben und manche Verhältnisse zur Römerzeit erschließen.

Aber wir wissen fast nichts über die Siedlungsweise – wir kennen kaum die Dörfer und Häuser der damaligen Zeit.

Ursache dafür ist vermutlich einerseits, dass die Häuser im waldreichen südlichen Burgenland wohl hauptsächlich aus Holz gebaut waren und daher heute nur schwer archäologisch nachweisbar sind. Andererseits lagen die Siedlungen damals fast immer in der Talniederung. Die Flüsse Lafnitz und Raab haben aber in nachrömischer Zeit durch Anschwemmung bis zu 1 ½ Meter Sand, Schotter und Aulehm abgelagert. Der römische Siedlungshorizont liegt also heute tief unter der heutigen Oberfläche. Auch dies erschwert die archäologische Forschung.



Eine Ausnahme findet sich im Gemeindegebiet von St.Martin: Hier gibt es nicht nur Grabhügel – im Wald zwischen Gritsch und Doiber, bei der Straßenkreuzung Oberdrosen-Eisenberg (gut erhaltener Hügel in typischer Lage) und auf den Kegeläckern zwischen St.Martin und Neumarkt - sondern auch die dazugehörigen Siedlungsfunde.

1978 wurden anhand eines Luftbildes die ganz knapp unter Ackeroberfläche liegenden Grundmauern eines römischen Gebäudes – vermutlich einer Villa rustica – entdeckt. Sie lag nordöstlich des Ortes, bei der Straßenkreuzung auf den Schanzäckern, in der Nähe einer römischen Straße, die beim heutigen Ort Körmend (AD ARRABONEM) in Ungarn am südlichen Raabufer von der Bernsteinstraße abzweigte und gegen West führte.

Wie in römischer Zeit üblich, wurden entlang der Straße auch die Gräber angelegt. In St.Martin sind das Hügelgräber, aber auch andere Grabbauten.

Schon 1964 wurde auf den Eisenberger Kegeläckern eine Ikarus-Statue aus weißem Marmor entdeckt. Der Marmor stammt nach einer Untersuchung durch Univ.-Prof Dr.H.Müller (Institut für angewandte Geologie der Univ.für Bodenkultur Wien) aus Gummern in Kärnten.

1981 wurde vom Landesmuseum (Dr.K.Kaus) in unmittelbarer Nähe der Statuenfundestelle das Brandgrab einer Frau ausgegraben. Der Fundamentstein für den zugehörigen Grabstein, der nicht erhalten geblieben ist, ist jetzt hier vor dem Aussstellungsgebäude aufgestellt. Die Asche der Toten und ihr Schmuck sind ausgestellt.

1997 und 1998 erfolgten nun weitere archäologische Prospektionen und Ausgrabungen in Zusammenarbeit von Gemeinde St.Martin, dem Bgld. Landesmuseum und dem Institut für klass.Archäologie der Univ.Graz. Die geomagnetischen Messungen im Siedlungsbereich hat Mag.Branco Music von der Univ.Laibach durchgeführt. Die Details wird Univ.-Prof.Dr.Pochmarski selbst anschließend erläutern.

Die wichtigsten Funde der Ausgrabungen sind in der Ausstellung des Römermuseums in St.Martin zu sehen:

Die Ausstellung bietet eine Erstinformation und ist so gestaltet, dass interessante Neufunde laufend eingebaut werden können – es ist also ein „lebendiges Museum“ das immer wieder Neues bieten kann und öfter besucht werden sollte.

Die Leitfarbe der Ausstellung ist Braun. Die Farbe wurde deshalb gewählt, weil auch das Logo des Naturparkes in Braun gehalten ist und weil sie an den antiken Namen der Raab "Arrabo" = " die Braune" erinnert.

Dr. Karl Kaus

 

Im Ausstellungsraum am Hauptplatz werden die neuesten Funde aus den Grabungen gezeigt. Die Grenzsituation von St.Martin/Raab - in der Römerzeit am westlichen Rand der Provinz Pannonien - wird in der Gegenwart durch den Dreiländerstein versinnbildlicht.